Der Vater, der lief — das Gleichnis vom verlorenen Sohn
Shownotes
Das Gleichnis vom verlorenen Sohn kennt fast jeder. Ein Sohn fordert sein Erbe, verprasst es, kehrt zurück. Der Vater verzeiht. Ende. So die Kurzversion.
Aber da ist ein Detail, das beim schnellen Lesen fast verschwindet. Drei Worte im griechischen Originaltext: Er lief ihm entgegen. Ein vermögender, geachteter Vater im Nahen Osten des ersten Jahrhunderts — lief. Das tat man nicht. Laufen war etwas für Kinder, für Diener, für Menschen ohne Ansehen. Dieser Vater lief trotzdem. Weil er seinen Sohn noch von weitem sah. Weil er jeden Tag auf den Weg geschaut hatte.
Elias erzählt in dieser Folge das ganze Gleichnis — von der ungeheuerlichen Forderung des Sohnes am Anfang bis zum offenen Ende mit dem älteren Bruder, der draußen steht und nicht hineingehen will. Und er stellt eine Frage, die jeden betrifft: Wer bin ich in dieser Geschichte gerade — der jüngere Sohn, der zurückkommt? Der ältere, der zählt was er verdient hätte? Oder der Vater, der läuft?
Dieses Gleichnis heißt im Volksmund nach dem Sohn. Aber im Mittelpunkt steht der Vater. Jesus beschreibt hier nicht, wie Menschen sein sollten. Er beschreibt, wie Gott ist.
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00:00:24: Es gibt einen Satz in dieser Geschichte, der auf den ersten Blick harmlos klingt.
00:00:30: Er steht in der Mitte fast versteckt.
00:00:34: Drei Worte im Griechischen und er verändert alles.
00:00:41: Der Satz lautet, er lief ihm entgegen.
00:00:46: Ein Vater in der Antike lief.
00:00:50: Das klingt nach nichts Aber im Nahen Osten des ersten Jahrhunderts lief ein Mann mit Würde nicht.
00:00:59: Laufen war etwas für Kinder, Für Diener, Für Menschen ohne Ansehen.
00:01:06: Dieser Vater vermögend geachtet betrogen lief Und Jesus erzählt das so beiläufig als wäre es selbstverständlich.
00:01:20: Es ist nicht selbstverständlig Es ist das Herzstück der ganzen Geschichte.
00:01:27: Jesus erzählt dieses Gleichnis nicht im leeren Raum, er sitzt mit Zöllnern und Sündern zusammen – Menschen die in der Gesellschaft seiner Zeit als Ausgestoßene gelten Und die Pharisäer, die Frommengesetzeshüter murren.
00:01:45: Der nimmt Sünder auf, der IST mit ihnen!
00:01:54: Er antwortet mit drei Geschichten.
00:01:57: Das verlorene Schaf, die verlorende Münze Der verlorente Sohn.
00:02:04: Jede Geschichte dieselbe Frage Was tut jemand wenn er etwas Wertvolles verliert?
00:02:13: Und die Antwort ist jedes Mal dieselbe!
00:02:17: Er sucht Er wartet Er läuft.
00:02:23: Ein Mann hat zwei Söhne.
00:02:26: Der Jüngere kommt zum Vater und sagt, gib mir den Teil des Vermögens der mir zusteht.
00:02:32: Und der Kultur des Nahen Ostens ist das kein normaler Wunsch!
00:02:37: Das Erbe wird nach dem Tod des Vaters aufgeteilt.
00:02:41: Wer es vorher fordert, sagt damit im Grunde – Ich wünschte du wärst schon tot.
00:02:49: Das is die erste Erschütterung dieser Geschichte.
00:02:56: Teilt auf.
00:02:58: Er sagt kein Wort dagegen, er fragt nicht warum – er diskutiert nicht!
00:03:04: Er teilt auf….
00:03:06: Der Sohn nimmt alles, reist in ein fernes Land und verprasst sein Vermögen.
00:03:14: Der Text sagt «Er lebte liederlich».
00:03:18: Was genau das bedeutet, lässt Lukas offen.
00:03:22: Aber das Ergebnis ist klar ….
00:03:25: Das Geld ist weg.
00:03:28: Dann kommt eine Hungersnot über das Land, und der Sohn fängt an zu daben.
00:03:34: Er verdingt sich bei einem Bauern – einem heidnischen Bauern wie der Text andeutet.
00:03:40: Er soll Schweine hüten!
00:03:43: Für einen Juden im ersten Jahrhundert ist das der absolute Tiefpunkt.
00:03:49: Unreine Tiere, fremdes Land, hungrig.
00:03:54: allein Er hätte gerne seinem Bauch mit dem gefüllt, was die Schweine fraßen.
00:04:02: Aber niemand gab ihm etwas.
00:04:05: Und dann?
00:04:06: Da unten in diesem Schweinestall kommt er zu sich!
00:04:12: Das ist der Windepunkt.
00:04:15: Er denkt – Die Tagelöhner meines Vaters haben Brot im Überfluss und ich komme hier vor Hunger um.
00:04:25: Ich will aufbrechen Zurückgehen und sagen, ich bin nicht mehr wert Dein Sohn zu heißen.
00:04:33: Mach mich zu einem Deiner Tagelöhner!
00:04:37: Er bericht auf, er geht den langen Weg zurück Und sein Vater – so steht es im Text – sah ihn noch von weitem Von weitem.
00:04:51: Der Vater hat gewartet Nicht vergessen, nicht abgeschrieben.
00:04:58: Er hat geschaut, jeden Tag auf den Weg.
00:05:03: Und als er ihn sieht läuft er!
00:05:06: Er fällt ihm um den Hals, er küst ihn – bevor der Sohn auch nur einen Satz sagen kann.
00:05:15: Der Sohn fängt an mit seiner vorbereiteten Rede.
00:05:19: Vater ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir.
00:05:23: Ich bin nicht mehr wert dein Sohn zu heißen hört ihn gar nicht zu Ende.
00:05:32: Er ruft die Diener, das Beste gewandt her, einen Ring an seinen Finger, Schuhe an seine Füße und schlachtet das Mastkalb!
00:05:43: Der Ring ist das Zeichen der Vollmacht.
00:05:46: Der Sohn wird nicht als Tagelöhner aufgenommen – er wird als Sohn zurückgeholt.
00:05:54: Vollständig sofort ohne Bedingung.
00:06:00: Aber dann ist da noch jemand, der ältere Sohn.
00:06:05: Er kommt vom Feld zurück, hört Musik und Tanz und fragt einen Knecht – Was ist hier los?
00:06:13: Als er erfährt was passiert ist wird er zornig und will nicht hineingehen.
00:06:20: Der Vater kommt heraus, bittet ihn Und der älteren Sohn sagt Ich diene dir schon so viele Jahre habe nie dein Gebot übertreten, und du hast mir nie einen Bock gegeben, um mit meinen Freunden zu feiern.
00:06:39: Aber dieser da der Dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat!
00:06:45: Für den schlachtest Du das Mastkalb?
00:06:50: Das ist keine böse Frage – das ist eine menschliche Frage.
00:06:56: Wer von uns hätte nicht dasselbe gedacht?
00:07:00: Und der Vater sagt Kind, du bist immer bei mir.
00:07:06: Alles was ich habe ist Dein!
00:07:11: Aber wir mussten doch feiern und uns freuen, denn dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden.
00:07:19: Er war verloren – und ist widergefunden
00:07:22: worden.".
00:07:25: Die Geschichte endet hier ohne zu sagen ob der ältere Bruder hineingeht.
00:07:31: Jesus lässt das offen.
00:07:34: Diese Geschichte heißt im Volksmund das Gleichnis vom verlorenen Sohn.
00:07:41: Aber viele Theologen sagen, dass ist der falsche Titel Denn im Mittelpunkt steht nicht der Sohn.
00:07:49: Im Mittelpunt steht der Vater Ein Vater, der das Undenkbare tut.
00:07:57: Er teilt auf Obwohl es wehtut.
00:08:01: Er wartet Obwohl er keine Garantie Keine Perspektive hat.
00:08:08: Er läuft, obwohl es ihn würde kostet.
00:08:13: Er gibt zurück trotz der Vorgeschichte und dann am Ende geht er auch zum älteren Sohn hinaus.
00:08:25: Er lässt auch ihn nicht im Zorn stehen.
00:08:30: Er geht zu beiden auf beide zu.
00:08:35: Jesus beschreibt hier nicht wie Menschen sein sollten, er beschreibt Wie Gott ist.
00:08:44: Das ist der Anspruch dieses kleinen Gleichnisses.
00:08:50: Ich frage mich manchmal Wer bin ich in dieser Geschichte?
00:08:56: Manchmal der jüngere Sohn Der weggegangen ist Weit weg Von sich selbst von anderen Von dem was ihm wichtig war Und der irgendwann merkt Es ist Zeit, um zu kehren.
00:09:15: Manchmal der ältere Sohn, der geblieben ist, geleistet hat, funktioniert hat und er im Stillen zählt was er verdient hätte Und manchmal selten aber es gibt diese Momente Der Vater, der jemanden von weitem sieht und läuft.
00:09:43: Welche dieser drei Figuren Sind Sie gerade?
00:09:48: Das war der Elias Sonntags Podcast.
00:09:50: Nächste Woche sprechen wir über Hiob, das ehrlichste Buch der ganzen Bibel – über einen Mann, der alles verliert und er mit Gott streitet laut ohne Scheu und was Gott darauf antwortet!
00:10:10: Wenn sie mit mir direkt sprechen möchten, sie finden mich unter eliasbibel.com.
00:10:16: Ich wünsche Ihnen einen frohen und gesegneten Sonntag.
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